Der Tag der Bibliotheken - Ein kleiner Einblick in meinen Arbeitsalltag

Tag der gesunden Ernährung (7. März), Tag des Deutschen Bieres (23. April), Weltschifffahrtstag (letzter Donnerstag im September) oder auch der jeden zweiten Samstag im November zelebrierte Aktionstag "Rettet die Kastanie!" - mir scheint, es gibt heutzutage für alles und jeden einen Gedenk- und Ehrentag. Nachdem das Thema an einem Nachmittag im Büro aufgekommen ist, war ich neugierig und habe ich mich mal schlau gemacht - war ja klar, dass da auch was für Bibliotheken dabei ist!

 

Seit 1995 gilt der 24. Oktober als Tag der Bibliotheken. Ins Leben gerufen von Richard von Weizsäcker warten an eben jenem Tag Bibliotheken mit besonderen Aktionen auf und geben so Menschen, die aus den verschiedensten Gründen bisher noch nicht viel mit der Institution zu tun hatten, die Möglichkeit, sich mit dem Angebot einer modernen Bibliothek vertraut zu machen. Denn das übersteigt heutzutage den reinen Ausleihbetrieb um ein Vielfaches! ...leider ist das vielen anscheinend immer noch nicht klar. Gerade zu Beginn meiner Ausbildung musste ich mir häufig Fragen anhören wie "Bibliothek? Ist das nicht total langweilig, da zu arbeiten?" (oder auch gerne: "Was macht man da überhaupt?"). Wahlweise wurde ich auch mit Vorurteilen ala "Da kannst du den ganzen Tag nur lesen, was; das hätte ich auch gerne!" und "Das ist doch ein aussterbender Beruf! Kannst du da in zehn Jahren überhaupt noch einen Job finden?" konfrontiert. Das hat mich ehrlich gesagt ziemlich schockiert. Kann es wirklich sein, dass heutzutage doch so vielen Menschen der Bezug zum Begriff "Bibliothek" fehlt und sie gar keine Vorstellung davon haben, was eigentlich genau dahinter steckt? =/

Und aus dieser Ernüchterung heraus ist dann irgendwie die Idee entstanden: Warum eigentlich nicht dahingehend mal aufräumen? Warum nicht mal zeigen, was es in einer Bibliothek so alles gibt; hier, quasi aus erster Hand? :D

 

Natürlich kann man das nicht alles in einem Blogbeitrag abhandeln, das würde wohl absolut den Rahmen sprengen - aber eben anlässlich des Tags der Bibliotheken dachte ich mir, ich nehme euch einfach mal mit zur Arbeit und zeige euch, was ich den lieben langen Tag dort so mache - denn "die ganze Zeit nur lesen und chillen" stimmt leider, leider, ich muss euch die Illusion nehmen, nicht ;-)

 

Also, ihr Lieben - lange Rede, kurzer Sinn, hier die Zusammenfassung / ellenlange Ausarbeitung meiner Follow-Me-Around-Instastory vom 24.10., in der ich mal meinen routinemäßigen Arbeitsalltag dokumentiert habe! Wie auch dort gilt hier natürlich: Fragen, Anregungen und Wünsche, was ihr vielleicht in Zukunft gerne noch sehen wollt, gerne in die Kommentare. Es würde mich sehr freuen, bei dem ein oder anderen Interesse an der Bibliothek oder am Beruf der/s FaMI zu wecken :)


Also nun, Dienstag, der 24. Oktober.

Ein typischer Arbeitstag beginnt für mich morgens um 8 - was? Um 8? Ja, richtig gehört! Auch wenn die Bibliothek erst um 11 Uhr für Kunden geöffnet ist, sind wir schon wesentlich früher da, denn es gilt einiges vorzubereiten, damit nachher alles seinen gewohnten Gang gehen kann. Als ich um kurz vor acht mein Rad abgeschlossen habe und mich im Zeiterfassungssystem einbuche, bin ich aber noch nicht mal die Erste. Eine Kollegin wirbelt bereits im Erdgeschoss herum und hat schon die aktuellen Tageszeitungen aus dem Briefkasten geholt und ist gerade dabei, die ersten Medien aus dem Rückgabekasten zu verbuchen. Dazu später mehr - denn mich zieht es als Erstes nach oben ins Büro. Da der Fahrstuhl ebenfalls dort oben hängt, entscheide ich mich kurzerhand für die Treppe und absolviere mit dem Marsch in den dritten Stock ein bisschen Frühsport. Von wegen nur rumsitzen und lesen! ;-)

Selfie vor dem Namensschild am Büro
Eine der ersten Euphorien, als ich meine Ausbildung angefangen habe, war mein Name an der Tür des Großraumbüros. Es war auf einmal alles so... offiziell :D

Und doch führt einen morgens der erste Weg immer zum Schreibtisch.

Gerade durch die zwei Tage Berufsschule pro Woche verpasse ich gefühlt immer eine ganze Menge und muss mich erstmal auf den neuesten Stand bringen. Das geht via E-Mail und untereinander vernetzten Outlook-Kalendern ganz einfach und so bin ich innerhalb weniger Minuten im Bilde über das, was ich vielleicht gestern nach Feierabend noch verpasst habe.

Außerdem finde ich heute Morgen bereits eine neue Aufgabe auf meinem Schreibtisch; und zwar in Form eines Bücherkisten-Auftrags für eine Schule. Damit ist meine innere Tagesplanung auch schon ziemlich klar, yay :)

 

Doch die Bücherkiste muss noch ein wenig auf mich warten - denn bevor ich mich damit befassen kann, wartet erst noch eine andere Aufgabe auf alle im Frühdienst: Und zwar das Einstellen von gestern zurückgegebenen Büchern sowie das Aufräumen der Regale. Damit wird morgens immer so zeitnah wie möglich angefangen, denn je nach dem, wie viel in den Abendstunden des Vortags noch los war und zu wie vielen Kolleginnen wir morgens sind, kann sich das schnell erledigen oder auch gerne über zwei Stunden hinziehen. Das ist per se auch gar nicht schlimm; wichtig ist nur, dass alles in einem annehmbaren Zustand ist, bis die Kunden kommen. Daher gilt es, keine Zeit zu verlieren, sondern direkt loszulegen; und so begebe ich mich kurz darauf die drei Etagen an Treppenstufen wieder runter ins Erdgeschoss, wo die prall gefüllten Rückgabewagen auf uns warten. Angesichts dessen und der Tatsache, dass wir heute Morgen vorläufig nur zu dritt sind, wird das wohl eher ein Einstellen der längeren Kategorie, wie mir schwant. Aber das macht nichts, denn ich muss zugeben, dass ich das mitunter sehr... entspannend finde :D

Es ist einfach eine prima Art, in den Tag zu starten und erstmal "warm zu werden".

Doch als wären die drei vollen Wagen dazu nicht genug, gibt es noch etwas anderes zu beachten - und zwar unseren eben bereits erwähnten Außenrückgabekasten. In einem unscheinbaren, weißen Schrank verborgen steht, an der Wand zur Passage neben dem Kulturhof entlang, der Auffangbehälter unseres Buchbriefkastens. Dieser Service ermöglicht es den Kunden, ihre Medien auch außerhalb der Öffnungszeiten zurückzugeben - beispielsweise für Berufstätige, deren Arbeitszeiten sich nicht mit unseren vereinbaren lassen, ist das eine klasse Sache, denn so kommen die entliehenen Medien trotzdem pünktlich zurück und das Konto wird nicht belastet. Damit das System auch funktioniert, muss natürlich auch der Auffangbehälter regelmäßig kontrolliert werden. Und tatsächlich finden wir morgens ein paar Bücher und DVDs, die wir für die Kunden zurückbuchen und sie anschließend, je nach Zugehörigkeit, auf die verschiedenen Wagen stellen.

 

Denn diese sind, um das Einstellen zu erleichtern, entsprechend vorsortiert: Jede Etage hat ihren eigenen Wagen, auf dem sich nur Medien befinden, die auf das jeweilige Stockwerk gehören. Je nach Andrang bleibt es natürlich nicht bei dem Einen. Heute beispielsweise haben wir einen Wagen für das erste Obergeschoss sowie zwei randvolle für die Kinder- und Jugendbibliothek im zweiten Stockwerk. Dort wird aufgrund des Arbeitsumfangs auch immer mit dem Aufräumen begonnen - quasi zäumen wir das Pferd von hinten auf und arbeiten uns von oben nach unten durch das Gebäude ;-)

Denn in der Erwachsenenbibliothek gibt es erfahrungsgemäß schon mal wesentlich weniger Chaos als oben bei den Bilder- oder Erstlesebüchern, deren Regale gerade in der Ferienzeit morgens ziemlich zerpflückt aussehen können.

Im Erdgeschoss gibt es am wenigsten einzuräumen: Hier befinden sich an Medien neben unseren Aufstellern mit den Erwachsenen-Hörbüchern nur noch die Zeitschriften sowie die "Regionales"-Wand, wo wir Bücher zu Euskirchen, Eifel und Co gesammelt bereitstellen. Diese sind auch nochmal besonders gekennzeichnet, sodass es morgens ganz leicht fällt, sie bereits im Vorfeld aus den Rückgaben herauszuziehen und wegzuräumen, während z.B. der Computer hochfährt, von dem man die Medien aus dem Rückgabekasten zurückbuchen will. Alles eine Frage der Organisation ;-)

 

Genauso verhält es sich mit der genaueren Vor-Sortierung auf den jeweiligen Wagen selbst: Da sich auf den Etagen die unterschiedlichsten Medien-Arten sowie systematischen Kategorien finden, kann man eine Menge Aufwand einsparen, wenn man, grob gesagt, Gleiches zusammenräumt. Zum Beispiel versuchen wir, die besagten Bilderbücher (versehen mit dem Systematik-Kürzel Jb) und Kinder-Sachbücher (JA bis JY) immer in die unteren Fächer zu stellen. Darüber stehen dann zum Beispiel gestaffelt die Erstlese-Bücher (Jc), die Kinder-Romane (Jd) bis hin zur Abteilung teens (Z-). Da diese Gruppen immer in sich geschlossen zusammenstehen (außer bei Sonderaktionen wie z.B. dem Sommerleseclub oder auch Saison-Bestand wie z.B. Weihnachtsbücher - aber das führt jetzt zu weit ;-) ), erleichtert es das Einstellen natürlich ungemein, wenn man auf einen Blick sieht, was wohin muss. So werden die Laufwege effizienter und es erleichtert gerade an Tagen, wo viel anfällt, auch den Überblick erheblich.

 

Tja - und dann gilt es eben, das umzusetzen, was man u.U. wie beschrieben bereits vorbereitet hat: Jedes Buch hat durch die Ordnungssystematik seinen ganz eigenen Platz in der Bibliothek und an genau diesen muss es zurückgeräumt werden. Da gilt es trotz aller Frühe, sich zu konzentrieren - denn sollte beispielsweise ein Buch aus der Kategorie JU 4 (= Kinder-Sachbücher über Tiere) in die Kategorie JU 3 (= Kinder-Sachbücher über Pflanzen) rutschen, werden es weder die Kunden noch wir auf Anhieb finden können. So kann erst recht bei den Erwachsenen-Sachbüchern, die nochmal komplexer aufgeschlüsselt sind, ein einfacher Zahlen- oder Buchstabendreher bereits langwierige Suchaktionen nach sich ziehen. Daher ist auch das Aufräumen der Regale nach dem Einstellen so wichtig.

Das machen wir jeden Tag, zumindest im Groben. An unserem Schließungstag mittwochs, an dem wir nicht alle frei haben, nein ( ;-) ), wird beispielsweise mit dem ganzen Team besonders gründlich aufgeräumt und an jedem Regal die Feinsortierung überprüft. Und ihr glaubt gar nicht, wie viel man da jeden Tag findet! Da kann im Laufe der Woche wirklich eine Menge durcheinander kommen.

Ich frage mich dann zwar oft, wie manche Menschen so sehr in Gedanken sein können, dass sie nicht merken, dass sie mittlerweile in einer vollkommen anderen Ecke stehen als wo sie das Buch hergenommen haben, und komme auch so manches Mal über ein Kopfschütteln nicht hinweg, wenn ich bei den Kinderbüchern morgens das blanke Chaos entdecke - aber es zeigt auch ganz deutlich, wie wichtig unser Job ist. Denn das Ausleihen und Zurückgeben geht mittlerweile dank Selbstverbuchern größtenteils, von ein paar Ausnahmen mal abgesehen, auch ohne unser Einwirken. Selbst im Katalog können die Kunden alleine recherchieren, wenn sie möchten; und das Leitsystem an den Regalen erleichtert es, sich dort ohne großes Vorwissen zurechtzufinden - aber eben nur so lange wie dieses auch stimmt. Denn wie schon gesagt hat jedes Medium genau einen festen Platz im Bestand, weshalb es, je mehr falsch steht, für den Kunden irgendwann unmöglich wird, außerhalb von glücklichen Zufällen noch an das gewünschte Buch oder die CD oder was auch immer zu kommen.

 

Daher, auch wenn es manchmal vielleicht lästig erscheint und ich auch schon gefragt wurde, warum wir morgens z.B. die Bilderbücher wieder fein säuberlich nach Kategorien sortieren, wenn doch sowieso klar ist, dass die Kinder diese Ordnung über den Lauf des Nachmittags auseinandernehmen werden: Weil es ohne System gar nicht geht. Auf der Ordnung, der Systematik der jeweiligen Bibliothek baut alles Weitere auf. Ist das nicht gegeben, geht der Rest auch nicht.


(Für Interessierte: Wir gebrauchen in der Stadtbibliothek Euskirchen übrigens ASB. Schaut mal hier: ASB Wiki. Da könnt ihr euch ein bisschen durch die Kategorien klicken :-) )

 

Das Aufräumen heute steht ein bisschen unter Zeitdruck, da für den Vormittag eine Kindergarten-Gruppe angemeldet ist, die die Bibliothek besuchen möchte. Solche Führungen sind keine Seltenheit, sondern finden teilweise mehrfach die Woche statt; von Kindergarten bis zur weiterführenden Schule inklusive Recherche-Training für die gymnasiale Oberstufe ist alles dabei - im Rahmen der Euskirchener interkulturellen Woche sogar mehrsprachig!

Aber auch das läuft meistens außerhalb der regulären Öffnungszeiten, sodass der normale Kunde davon gar nichts mitbekommt. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, dass die meisten gar nicht im Bilde darüber sind, wie eng die Bibliothek mit den Schulen im Umkreis zusammenarbeitet und einen, meiner Meinung nach, wichtigen Teil zur Schulbildung beiträgt - nämlich dadurch, dass sie hilft, Kompetenzen wie selbstständiges Arbeiten und einen angemessenen Umgang mit Medien zu vermitteln. Ich durfte bei solchen Bibliotheksbesuchen auch schon mal dabei sein, quasi von der anderen Seite, nachdem ich das Angebot früher schon als Schülerin selbst wahrgenommen hatte. Heute jedoch haben die Bücherkisten Priorität - Plural wohlgemerkt, denn mittlerweile ist, was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht weiß, noch eine weitere Anfrage hinzugekommen ^_^

Die Bücherkisten sind ein Service, den wir Lerngruppen jeglichen Alters zur Verfügung stellen, also wieder Kitas oder Schulen. Lehrer und Betreuer können dadurch auf den weitreichenden Bestand der Bibliothek zurückgreifen und damit ihren Unterricht / ihr pädagogisches Programm sinnvoll und interessant ergänzen. Dieses Angebot wird tatsächlich sehr gern genutzt, sodass sich eine frühe Anmeldung lohnt und die Abholfristen oft zwei, drei Wochen in der Zukunft liegen. Da ich, die ich momentan den Großteil dieser Kisten bestücke, allerdings nächste Woche Urlaub habe und danach ins Praktikum gehe, bleibt mir im Endeffekt gar nicht mehr so viel Zeit. Daher setze ich mich, nachdem ich zwischendurch noch die Hauspost erledigt habe, gleich an die Recherche und suche im Katalog nach sowohl thematisch als auch altersmäßig passenden Medien. Denn genau genommen ist "Bücherkisten", wie wir sie untereinander kurz nennen, ein irreführender Begriff, denn diese können ebenfalls CDs, Hörbücher oder DVDs beinhalten, ganz wie gewünscht.

 

In meinen beiden Fällen durchsuche ich unseren Bestand einmal zum Thema Sankt Martin und Nikolaus sowie einmal zu Fledermäusen. Meine Favoriten notiere ich mir, sofern sie nicht entliehen sondern verfügbar sind, über ihr systematisches Kürzel. Als ich dann für beide eine nette Vorauswahl zusammengestellt habe, schnappe ich mir aus dem Magazin eine erste Box und gehe wieder runter. Zwischendrin habe ich bereits, kurz vor Öffnen, alle Geräte eingeschaltet, sodass den Kunden sowohl die Katalog-Stationen als auch die Internet-Arbeitsplätze sowie den Kindern oben die Konsolen zur Verfügung stehen. Das ist eine unserer Routine-Aufgaben, die immer wiederkehrend anfallen und für die wir abwechselnd zuständig sind. Diese Woche war ich dran :-)

Und da nun folglich auch Kunden im Haus sind, muss ich noch an etwas anderes denken: An mein Namensschild! So bin ich auf den ersten Blick als Personal erkennbar, während ich durch die zweite Etage wusele und mir die recherchierten Bücher aus den Regalen zusammensuche - was einige Kunden auch dankbar zum Anlass nehmen, um Fragen zu Bestand und Standorten zu stellen.

Das ist eigentlich eine meiner liebsten "Aufgaben"; ich finde es total schön, den Menschen auf ihrer Suche direkt weiterhelfen und ihnen im besten Fall zu ihrem gewünschten Medium verhelfen zu können :-)

 

Zusätzlich ist zu der Zeit sowieso noch Trubel durch die (abreisende) Kindergartengruppe und den Elektriker im Haus, der einige vorbereitende Maßnahmen für unsere Umräumaktion trifft, sodass ich ein bisschen länger brauche als gedacht, bis ich mit meiner vollgepackten Kiste unterm Arm wieder ins Büro hochgehe. Dort sondiere ich zusammen mit einer Kollegin die Auswahl, die ich bisher getroffen habe. Wir sortieren noch ein paar Titel aus, bei denen ich mir nicht hundertprozentig sicher war, ob sie passen könnten, dann steht der Inhalt der Kisten.


Abschließend muss ich noch ein paar Formalitäten wie die Beschriftung der Boxen erledigen und sie zur Abholung bereitstellen (aka wieder runtertragen x) ), und trage mein Berichtsheft für gestern und heute ein - und dann ist mein Tag tatsächlich schon rum und wieder mal frage ich mich, wo die Zeit geblieben ist. Denn eigentlich hätte ich heute auch noch gerne die neuen Hörbücher umgepackt und beklebt...

 

Die muss ich wohl oder übel auf morgen vertrösten, denn alles auf einmal geht ja leider nicht, wenn man keine acht Arme hat. Auch wenn wir die manchmal gut gebrauchen könnten, denn in einer Bibliothek fallen tatsächlich eine ganze Menge unterschiedlicher Aufgaben an. Jeden Tag. Denn während ich heute eingestellt, aufgeräumt, die Hauspost gemacht, zwischendurch alles für die Öffnung vorbereitet und zwei Bücherkisten fertiggestellt habe, waren andere Kolleginnen im Auskunftsdienst an der Theke und haben sich den direkten Anliegen der Kunden angenommen, haben Fragen beantwortet und Konten eröffnet.

Haben für Leser unseren Bestand nach skandinavischen Krimis, veganen Kochbüchern oder DVDs zur Hundeerziehung durchforstet oder einer aufgeschmissenen Studentin bei der Auswahl von Fachliteratur für eine Hausarbeit geholfen.

Haben im Büro den gewaltigen Zettelkatalog der kommenden Neuerscheinungen gesichtet, manche davon auf die Bestellliste gepackt, wohlwissend, was bei uns Anklang findet und was nicht; und manche nicht.

Haben Neuerwerbungen in den Katalog eingearbeitet und danach ins dafür vorgesehene Regal gestellt, wo sie vielleicht direkt ausgeliehen wurden, und haben die Kundin angerufen, die eine dieser Neuerwerbungen als Anschaffungswunsch geäußert hatte und sich nun über die Erfüllung total freute.

Haben den jungen Mann aus Syrien, der gerade in der VHS Deutsch lernt, mit dem Welcome-Regal vertraut gemacht und ihm alle nötigen Bücher gezeigt, mit denen er zusätzlich üben konnte.

Haben die zerliebten Gregs Tagebücher repariert oder nachbestellt, wenn man wirklich gar nichts mehr retten konnte, und haben dem einen Revolverheld-Album ein neues Etikett verpasst, weil das andere eingerissen war.

Haben drei neue Schulklassenführungen vereinbart; eine Schule davon kommt zum ersten Mal überhaupt, weil sie neugierig geworden ist.

Haben die kommenden Veranstaltungen vorbereitet - Lesungen, Gaming, Begegnungsabende -, für andere bereits Karten verkauft; haben letzte Feinschliffe an den Plänen zur Umräumaktion vorgenommen und Konzepte für die Zusammenarbeit mit Fremdsprachlern weiterentwickelt.

Haben verirrten Nicht-Euskirchenern mit der Straßenkarte weitergeholfen und Nachhilfe-Grüppchen Raum zum Lernen zur Verfügung gestellt; haben über die Fernleihe Bücher aus anderen Bibliotheken beschafft, überzogene Medien gemahnt und waren den Kunden telefonisch und via social media bei Rückfragen zu ihrem Benutzerkonto im eBook-Service, vorbestellten Medien oder auch nur den Öffnungszeiten behilflich, bis abends, wo ich schon längst zu Hause war.

Und das wird auch morgen so sein. Und übermorgen und nächste Woche und sogar samstags, ohne Betriebsurlaub, 52 Wochen im Jahr.

 

Ihr seht - Bibliothek ist so viel mehr als nur Lesen.

Es ist ein Teil Kultur; ein wichtiger Part unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens - und eine unverzichtbare Bildungseinrichtung, die die Menschen von der Kita bis zum Beruf und darüber hinaus begleitet. Egal ob ihr nach einer anstrengenden Arbeitswoche noch ein, zwei DVDs fürs Wochenende sucht oder unterstützendes Material zu euren Hausaufgaben benötigt, ob ein Erziehungsratgeber für Katzen oder HMTL für Dummies; ganz egal welchen Alters, egal welcher Nationalität oder Muttersprache ihr seid - die Bibliothek ist etwas Gemeinsames, etwas für alle. Auch für euch.

 

Und nein, daher denke ich nicht, dass der Beruf aussterben wird, um den Bogen zum Anfang zu schlagen.

Bibliotheken werden sich verändern, ja, sie werden ihr Angebot dem Zeitgeist anpassen, wie das bei uns beispielsweise mit der Onleihe oder dem Gaming-Bereich schon geschehen ist - aber sie werden nie verschwinden. Und das ist auch gut so!

Denn abgesehen von dem praktischen Nutzen geht zumindest für mich von einer Bibliothek auch ein ganz besonderer Flair aus; etwas, das mich inspiriert und beeindruckt. Vielleicht ist es die geballte Masse an Wissen, die in den vielen Büchern steckt, vielleicht auch einfach nur die Gesellschaft von so viel Literatur und literaturbegeisterten Menschen.

Wie auch immer; ich finde, Bibliotheken haben etwas Magisches an sich. Kommt gerne bei uns vorbei und überzeugt euch selbst davon!

Ihr werdet schon staunen, was eine Bibliothek alles kann ;-)

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