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Selfpublishing - Eine Liebeserklärung an meinen Gewerbeschein

Ihr Lieben,

heute ist ein ganz besonderer Tag für mich! Denn vor vier Jahren habe ich meinen Gewerbeschein als Buchverlegerin zum ersten Mal in den Händen gehalten – der Grundstein, um selbst Bücher herausbringen zu können. Das war sozusagen der erste Schritt weg vom privaten Schubladen-Schreiben, hin zum Traum vom Autorendasein. Ein Tag, den ich genauso wenig vergessen werde wie den, als ich die erste Ausgabe von MTW in den Händen hielt… :)

 

Tja, und da dachte ich mir, das ist doch der ideale Zeitpunkt, um mal zu erklären: Was ist eigentlich dieses Selfpublishing? Wie geht das? Und was bringt das?

Dieser Blogpost ist quasi ein kleiner Ausflug in die Hintergründe des modernen Autorenlebens. Bleibt also gerne dabei, wenn euch nicht nur die fertigen Bücher interessieren, sondern auch der Weg dahin :-)

Mein Gewerbeschein, auf den Tag genau 4 Jahre alt <3
Mein Gewerbeschein, auf den Tag genau 4 Jahre alt <3

Also! Im Grunde ist die Sache schnell erklärt: Wie oben schon gesagt, bezeichnet das viel zitierte, fast schon zum Modewort gewordene „Selfpublishing“ das unabhängige Veröffentlichen von Druckerzeugnissen – also ohne einen renommierten Verlag dabei. Daher bezeichnen sich Selfpublisher auch oft als Indie-Autoren (Indie als Kurzform für „independet“, dt.: „unabhängig“, „eigenständig“). Denn anstatt einen Vertrag bei einem (vielleicht mehr oder weniger) großen Verlagshaus zu unterschreiben, gründet man als Selfpublisher einfach seinen eigenen Verlag! Streng genommen bin ich dadurch Geschäftsführerin eines regionalen Unternehmens ;-)

 

Dieses „Unternehmen“ gibt es offiziell natürlich nur auf dem Papier. Zumindest in meinem Fall hat das Ganze wenig mit unternehmerischem Feingeist zu tun. Viel mehr ist es die Bezeichnung für eine One-man-show, denn man selbst ist quasi der Verlag. Auch wenn es umständlich klingt, ist dieses Prozedere zwingend notwendig, um in Deutschland legal Bücher veröffentlichen zu dürfen. Aber danach stehen einem wortwörtlich alle Türen offen: Und zwar in alle Richtungen! Jetzt hat man die offizielle Berechtigung, Bücher drucken zu lassen und zu verkaufen – aber wie stellt man das an? Wie kriegt man sein Textdokument nun zwischen zwei Buchdeckel und wie inseriert man das im Internet oder kriegt es in die Regale eines Buchladens?

 

Das ist schon mal ein kleiner Vorgeschmack auf das, was einen erwartet, denn beim Selfpublishing gilt grundsätzlich: Du bestimmst. Und zwar in jeder Hinsicht. Es gibt niemanden, der einen an die Hand nimmt und für dich Entscheidungen trifft oder dir Dinge erklärt. Dafür bist du selbst verantwortlich.

 

Zugegeben, da kann man sich am Anfang schon mal ein wenig verloren fühlen (...und später auch noch ;-) ), aber mit ein bisschen Einarbeitung in die Materie geht alles. Normalerweise ist die Anmeldung des Gewerbes auch gar nicht der erste Schritt. Ich glaube, niemand kommt einfach mal so auf die Idee, sich einen Verlag auf seinen Namen anmelden zu lassen. Viel wichtiger ist die Recherche oder die kleinen Zufälle oder die Empfehlung eines Arbeitskollegen, Freundes, Verwandten… im Vorfeld, bei denen man das erste Mal mit dem Thema konfrontiert wird: Meistens nämlich im Zusammenhang mit Service-Plattformen, die extra für diese Art der Veröffentlichung entwickelt worden sind. In meinem Fall war das Createspace. Nachdem ich die Arbeit am Manuskript zu "More Than Winning" beendet hatte, war ich ein bisschen ratlos, was ich jetzt damit machen sollte – bis mir mein Vater ein paar Tage darauf einen interessanten Artikel per Mail schickte, bei dem über die neuen Möglichkeiten, die Createspace bzw. Selfpublishing allgemein bot, berichtet wurde. Und nachdem ich mich ein wenig mit der Thematik befasst hatte, war klar: Das ist es. Das will ich probieren.

 

Also habe ich mir nach der Anmeldung meines Gewerbes bei CS einen Account erstellt. Und ich muss sagen: Ich habe es nie bereut. Nach wie vor bin ich dort sehr zufrieden!

Das Tochterunternehmen von Amazon bietet beinahe einen Rundrum-Service: Von Anfang bis Ende, also quasi von der Wahl des Druckformates bis zur Preisgestaltung des Endprodukts, kann alles über die Website erledigt werden – und auf Amazon gesetzt wird das Ganze auch noch, ganz automatisch!

Ich finde das System super. Dadurch, dass nur auf Anfrage, d.h., beim Kauf eines Buch, auch wirklich ein Exemplar gedruckt wird (sgn. Print on Demand), entstehen keine horrenden Kosten oder Zahlungsverpflichtungen im Voraus. Wenn man sein Cover selber macht und jemanden fürs Korrekturlesen im Freundeskreis hat, muss man außer den Kosten für einen Gewerbeschein nichts investieren – und das war bei mir mit 20€ wirklich im Rahmen. Daher eignet sich Createspace super für Hobbyautoren, die das Ganze mit dem eigenen Buch einfach mal ausprobieren wollen.

 

Aber genauso kommen meiner Meinung nach auch die ambitionierten, aufstrebenden Selfpublisher hier sehr gut weg, denn das Endergebnis kann sich echt sehen lassen: Ich persönlich bin mit der Druckqualität sehr zufrieden. Die Schrift ist klar und sauber, der Buchrücken sehr stabil und er lässt sich weit aufklappen, ohne zu verknicken, was ich persönlich super finde! Nichts ist schlimmer als Bücher, die man sich kaum anzufassen traut, weil sie minderwertig verarbeitet wurden und besonders empfindlich sind. Dahingehend muss ich sagen, war ich schon ein bisschen überrascht.

Mit den Layout-Vorlagen, die man über die Website kostenlos erhält, sieht auch das Innenleben professionell aus und steht einem „gewöhnlichen“ Buch in nichts nach.

(Natürlich kann man sich auch selbst eine eigene Vorlage basteln. Jeder hat ja bekanntlich einen eigenen Geschmack, wahrscheinlich sogar, wenn es um Seitenaufteilung und Bundstege geht ;-) )

 

Dadurch, dass das Ganze ein geschlossenes System ist, und man von der Erstellung eines neuen Projekts bis zum finalen Klick zur Bestätigung der Veröffentlichungsabsicht alles über diese Seite macht, finde ich den Prozess unkompliziert, direkt und gut umgesetzt.

 

Im Augenblick gibt es Createspace nur auf Englisch (d.h. ebenfalls der Kundenservice bei Rückfragen!), auch wenn man es von Deutschland aus nutzen kann. Meines Erachtens nach muss man jedoch kein Muttersprachler oder Fremdsprachen-Überflieger sein, um sein Buch durch die Veröffentlichung zu bringen. Es schadet allerdings auch nichts, ein bisschen firm mit der Sprache zu sein oder diverse Fachbegriffe aus dem Buchdruck oder Steuerrecht (schauder!) lieber nochmal nachzuschlagen, bevor man sich möglicherweise falsch entscheidet.

 

Und dann? Wenn ihr den Veröffentlichungsprozess irgendwann abgeschlossen habt, ist euer Buch tatsächlich im Netz verfügbar – dank des Kindle Direct Publishing (KDP) Services auch ziemlich schnell als eBook-Version, wenn ihr das möchtet (sehr empfehlenswert!). Auch das geht erstaunlich gut von der Hand, wenn man sich ein bisschen in die Sache reinfuchst.

 

Aber- was dann? Irgendwie muss man das Buch ja jetzt an den Mann kriegen! Denn es nützt natürlich nichts, wenn es das Buch zu kaufen gibt, aber niemand davon weiß ;-)

 

Dahingehend hilft euch Createspace nicht weiter, es versteht sich wirklich nur als reine Veröffentlichungs-Plattform. Werbung, Kontakt mit Bloggern, Rezensionsexemplare, das müsst ihr selbst anstacheln – vom „betrieblichen“ Part mal abgesehen, sobald die Verkäufe anrollen: Denn das Finanzamt möchte für euer mindestens milliardenschweres Unternehmen ab sofort bitte auch eine Steuerklärung sehen! Also immer schön Buch führen ;-)

(Glücklicherweise listet Createspace eure Verkäufe auf und schickt monatliche Abrechnungen im Fall mindestens eines verkauften Exemplars.)

Aber nach wie vor ist das der springende Punkt beim Selfpublishing: Alles selbst zu machen. Das heißt, auch das, worauf man vielleicht gerade keine Lust hat (z.B. eben die Steuern) und die Zeit viel lieber mit Schreiben füllen würde.

 

Das ist wohl auch der größte Unterschied zum Veröffentlichen beim Verlag, wo einem diese Dinge abgenommen werden und man sich ausschließlich mit dem künstlerischen Teil beschäftigen kann – Bearbeitungen der Korrekturen aus dem Lektorat und Mitsprache bei der Covergestaltung mit eingeschlossen.

Ich denke, es ist, wie fast alles im Leben, einfach eine Typensache. Manche mögen es, manchen liegt es gar nicht.

 

Für mich ist Selfpublishing genau das richtige. Ich mag es, alles in der Hand zu haben und genau darüber bestimmen zu können, was mit meinen Buchprojekten geschieht. Und wenn es eben nur die Seitenränder sind, die ich lieber drei Millimeter weiter hätte – am Ende ist dann alles genau so, wie ich es möchte. Das ist mir sehr wichtig. Nachdem man so viel Zeit damit verbracht hat, sich die Geschichte auszudenken, möchte ich mir nicht in die Gesamtaufarbeitung eben dieser reinreden lassen. Für mich ist ein Buchprojekt ein Gesamtwerk und das begleite ich gerne von der ersten Idee bis zu dem Moment, in dem ich den Karton aufreiße und es zum ersten Mal in den Händen halten kann :-)

 

Und auch das ist so eine Sache – diese Freiheit gibt es nur, weil es im Selfpublishing, zumindest in dem Rahmen, in dem ich es betreibe, keine Deadlines und Zeitdruck gibt. Ich bin nach wie vor mein eigener Chef. Wenn ich schreiben möchte, schreibe ich, wenn nicht, dann nicht. Wenn ich heute keine Lust auf Korrekturen habe, dann mache ich es halt morgen. Frei nach dem Motto: Do what you love and do it with love.

Ich finde es schrecklich, wenn man sich hetzen muss und der Künstler am Ende nicht mit seiner Arbeit zufrieden ist. Daher halte ich es lieber so „ungewiss“ und lasse meine Bücher dann erscheinen, wenn sie wirklich fertig sind – d.h., auch an total „krummen“ Tagen wie z.B. dem 29.05. oder dem 7.12.. Das mag auch daran liegen, dass ich zu Anfang für mich definiert habe, was ich eigentlich mit dem Schreiben will und was nicht.

Natürlich ist es wohl der Traum eines jeden Schreiberlings, irgendwann bloß von den Verkäufen der eigenen Bücher leben zu können, aber nicht um jeden Preis. Ich habe gemerkt, dass kreatives Arbeiten unter Druck mir nicht liegt und ich wohl nie die Anforderungen eines Autors erfüllen werde, der mit seiner Selbstdisziplin einen Senkrechtstart schafft und dreimal im Jahr Bücher nachlegt. Das wäre mir viel zu verkrampft und anstrengend, mal ganz abgesehen davon, wenn irgendwann tatsächlich mal eine finanzielle Existenz von meiner Muse abhängen sollte. Nein, nein, lieber nicht. Für mich hat das Ganze ganz klar Hobbycharakter.

Ich liebe meine Bücher, so wie sie sind, und ich schreibe sie nicht mit dem Anspruch, sie zum Kassenschlager zu machen. Sie müssen keinen Zeitgeist, keinen Nerv treffen, denn selbst wenn es am Ende gar keiner gut finden sollte, ist das Ganze mit dem Print-on-Demand-Service absolut risikofrei für mich. Für mich geht es beim Schreiben für Selbstverwirklichung, um das Ausleben meines liebsten Hobbys in einem kleinen, überschaubaren Rahmen.

 

Das gilt wohl für die meisten Selfpublisher, weshalb den unabhängigen Autoren ihr mieser Ruf vorauseilt – von wegen, dass jeder Dilettant ein Buch veröffentlichen kann, und dass diese qualitativ ganz schrecklich wären, ohne Korrekturdurchgang und mit 08/15-Covern, undurchdacht und ohne einen Funken Sachverstand. Aber meiner Meinung nach wandeln sich Bewusstsein und Wahrnehmung in der Literaturbranche dahingehend gerade sehr!

Auch Creatspace, so wie es sich heute präsentiert, ist kein Vergleich mehr zu 2014, wo ich dort eingestiegen bin. Die Selfpublisher-Szene ist groß im Kommen. Es ist plötzlich keine Schande mehr, nicht bei einem großen Verlag zu sein, kein impliziertes Versagen („nicht gut genug“), sondern eine bewusste Entscheidung und vielleicht auch eine Frage des Stolzes.

 

In meinem Fall definitiv.

Ich bin Selfpublisherin mit Leib und Seele und ich würde auch nicht mehr tauschen wollen. Ich mag dieses „Alles entscheiden“, alle Fäden in der Hand zu haben. Und bestimmt mache ich auch nicht alles richtig, aber so, dass es richtig für mich ist :-)

 

Und das muss jeder für sich herausfinden. Genauso wie es eine Frage des persönlichen Geschmacks ist, ob man lieber lange oder kurze Haare trägt, die Farbe blau mag oder eher rot favorisiert, ob man Fleisch essen mag oder nicht oder was auch immer. Das Schöne am Selfplublishing: Ihr habt auch die Freiheit, euch dagegen zu entscheiden, wenn es euch nicht anspricht :-)

 

Ich finde es aber durchaus eine Möglichkeit, die man als Autor in Betracht ziehen sollte, wenn man zum ersten Mal an eine Veröffentlichung denkt. Zumindest sollte man sie nicht von vornerein abschreiben. Wem es nicht gefällt, das Createspace exklusiv mit Amazon zusammenarbeitet und man seine Bücher wohl nie in einem Buchladen sehen wird, dem stehen andere Plattformen zur Auswahl – zum Beispiel ePubli oder Books on Demand. Auch da habt ihr als potenzielle Indie-Autoren die freie Wahl :-)

 

Ich bin mit meiner trotz anfänglicher Konfusionen und ganz schön viel „Brassel“, wenn man sich in die Materie reinarbeiten muss, immer noch zufrieden - und darauf kommt es an :-)

 

In diesem Sinne: Cheerio, Gewerbeschein, du beste Investition meiner bisherigen Schreibkarriere! Auf hoffentlich noch viele weitere Jahre! <3

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